Bolzenkasten des Prinzen Otto von Hessen-Kassel



Bolzenkasten des Prinzen Otto von Hessen-Kassel


Inventar Nr.: KP B XIV.400
Bezeichnung: Bolzenkasten des Prinzen Otto von Hessen-Kassel
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 1615
Objektgruppe: Armbruste und Zubehör
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Holz, Ölfarbe; Pfeile: Holz, Messing, Stahl, Bein, Federn
Maße: 9,5 x 41 x 19 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Beschriftung: O.L.Z.H.1615


Katalogtext:
Durch mehrere Quellen belegt ist die Leidenschaft Landgraf Moritz‘ für Wettschießen wie das sogenannte Ringschießen, ein Preisscheißen mit der Armbrust um einen goldenen Ring. Vor allem während des jährlichen Aufenthaltes in Schloss Wilhelmsburg, einem der bevorzugten Jagdschlösser des Landgrafen in der Nähe von Schmalkalden, zählte das Armbrustschießen auf ein an einer langen Stange befestigtes Ziel, neben Festessen und Tanz, zu den höfischen Vergnügungen während des Jagaufenthaltes.
Ein eindrückliches Bild eines solchen Wettschießens vermittelt der Bolzenkasten des Prinzen Otto von Hessen-Kassel (1594-1617). Der Außen mit dem Wappen des hessischen Prinzen versehene Kasten enthält in einem unterteilten Fach und einer Schublade die für das Preisschießen eingesetzten Bolzen. Diese sind gemarkt und mit verschiedenen Namen versehen, um nach dem Schießen den Bolzen des Siegers ermitteln zu können.
Die Innenseite des Deckels zeigt die Darstellung des Wettschießens selbst. Um den mittig zu Pferde dargestellten Prinzen Otto gruppieren sich mehre Edelmänner und Teilnehmer des Wettschießens. Der Prinz und sein Hofstaat sind hier vermutlich in schwarzer Trauerkleidung dargestellt, da die erste Ehefrau des Prinzen im selben Jahr verstorben war. Viele der Höflinge halten schon ihre Armbruste bereit und tragen Bolzenkästen, die in Form und Gestalt dem Bolzenkasten Ottos entsprechen. Der hinter Prinz Otto stehende Edelmann, der auf seiner Hand einen verkappten Jagdfalken trägt, verweist auf den jagdlichen Kontext des Wettschießens. Im Bildmittelgrund öffnet sich der Blick auf die prächtigen Zelte und das fröhliche Treiben des Jagdlagers. Während vor dem größten Zelt direkt hinter dem Prinzen zwei weitere Edelmänner mit dem Spannen ihrer Armbruster beschäftigt sind, belgleiten ein Trommler und ein Pfeifer, auffällig in Rot und Gold gekleidet, das Wettschießen auf den Holzvogel. In den Zelten sind Tafeln zu erkennen, an denen fröhlich getrunken und gespeist wird, begleitet von einem Lautenspieler und umgeben von zwischen den Zelten flanierenden Höflingen, darunter ein vornehmes Paar in prächtigen Gewändern, das aufmerksam das Wettschießen auf den Vogel verfolgt. Hinter dem Zeltlager breitet sich eine weite Hügelkette aus, an deren Fuß links und rechts ein Dorf bzw. eine Stadt zu erkennen sind. Am linken vorderen Bildrand trägt ein Diener weitere Bolzenkästen heran, auf denen der unbekannte Künstler Wappen und Monogramm des Prinzen Otto angebracht hat, sowie die Jahreszahl 1615. Ein Inventar vom Ende des 18. Jahrhunderts vermerkt dazu, dass der Bolzenkasten ein im Jahr 1615 von Otto veranstaltetes Wettschießen in Hersfeld zeige.

Stefanie Cossalter-Dallmann (11.5.2017)


Literatur:
  • Borgrefe, Heiner [Hrsg.]; Lüpkes, Vera [Hrsg.];Ottomeyer, Hans [Hrsg.]: Moritz der Gelehrte. Ein Renaissancefürst in Europa. Eurasburg 1997, Kat.Nr. 100, S. 82 f.
  • Scholz, Sebastian; Fuchs, Rüdiger: Die Inschriften des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Wiesbaden 2015, Kat.Nr. 304, S. 323 f.
  • Höfische Jagd in Hessen. Ereignis, Privileg, Vergnügen. Katalog zur Ausstellung. Museum Schloss Fasanerie, 13. Juni 2017 - 05. November 2017. Museum Jagdschloss Kranichstein [...]. Hessisches Landesmuseum, 27. September 2019 - 12. Januar 2020. Petersberg 2017, Kat.Nr. I.7, S. 22 f.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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