Kulissen-Armbrust



Kulissen-Armbrust


Inventar Nr.: KP B XIV.252
Bezeichnung: Kulissen-Armbrust
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 2. Viertel 17. Jahrhundert
Objektgruppe: Armbruste und Zubehör
Geogr. Bezug: Deutschland
Material / Technik: Armbrust: Holz, Bein (graviert), Stahl/Eisen vergoldet, Messing, Bast (?), Reste von Textilfasern; Wippspanner: Holz, Bein (graviert), Eisen vergoldet,
Maße: Armbrust 15,3 cm (Höhe)
Armbrust 41 cm (Breite)
Armbrust 59,5 cm (Länge)
Wippspanner 4,7 cm (Breite)
Wippspanner 13,5 cm (Höhe)
Wippspanner 50,8 cm (Länge)


Katalogtext:
Kulissenarmbruste konnten durch ihren Aufbau sowohl konventionelle Bolzen als auch Kugeln für die Jagd auf Vögel verschießen, doch haben nur wenige Exemplare dieser seltenen Waffenart die Jahrhunderte überstanden. Auch die schwarz gebeizte Kulissenarmbrust der Kasseler Sammlung ist nur unvollständig erhalten. Der Stahlbogen ist gebrochen, einzelne Beinmedaillons und der vermutlich ebenfalls einst aus Bein gearbeitete Schiebedeckel der Schaftlade sind verloren. Dennoch hat sich die elegante Schlichtheit dieser raren Waffe erhalten. Leuchtend heben sich die Beinmedaillons vom dunkel gebeizten Holz der Armbrust ab und zeigen verschiedene Jagd- und Tierkampfszenen, etwa Hunde einen Hirsch anfallend, einen Jäger auf der Pirsch, einen Kampf zwischen Bären, Pferd und Hund, wie auch die vor der Löwin fliehende Thispe.
Als weitere Seltenheit hat sich der zur Kulissenarmbrust gehörige Wippspanner erhalten. Auch er ist dunkel gebeizt und mit zahlreichen, gravierten Beinkartuschen geschmückt. Sie zeigen, von filigranen Ranken umgeben, nahezu jede jagdbare Tierart, darunter Hase, Hirsch, Bär, Bieber, Keiler, Wildkatze und Fuchs, aber auch eine Ziege, ein Pferd und ein Einhorn. Die größte Kartusche auf der Oberseite des Wippspanners zeigt hingegen eine Szene der Bärenhatz: der Jäger erlegt den von Hunden gestellten Bär mit einem Bäreneisen. Um die Armbrust mit Hilfe des Wippspanners zu spannen, hängte man den Haken des Spanners in den Aufhängring am Bogen der Armbrust und legte das kürzere Stemmholz gegen die Sehnen. Dann senkte man den Druckstab in Richtung der Armbrust ab, wodurch das Stemmholz nach hinten gedrückt und die Sehne durch den ebonisierten Holzschaft geführt wurde, bis sie einrastete. Die Armbrust war damit bereit zum Schuss.

Stefanie Cossalter-Dallmann (11.5.2017)


Literatur:
  • Höfische Jagd in Hessen. Ereignis, Privileg, Vergnügen. Katalog zur Ausstellung. Museum Schloss Fasanerie, 13. Juni 2017 - 05. November 2017. Museum Jagdschloss Kranichstein [...]. Hessisches Landesmuseum, 27. September 2019 - 12. Januar 2020. Petersberg 2017, Kat.Nr. I.4, S. 20 f.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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