Jagdarmbrust



Jagdarmbrust


Inventar Nr.: KP B XIV.256
Bezeichnung: Jagdarmbrust
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: um 1600
Objektgruppe: Armbruste und Zubehör
Geogr. Bezug: Deutschland
Material / Technik: Stahl (Bogen farbig gefasst), Holz (farbig gefasst), Bein od. Geweihplatten (graviert), Bast od. Hanf (?), Sehne ist ergänzt
Maße: 5,9 kg (Gewicht)
62,5 x 66,5 x 12,8 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Die Säulenoberseite der Jagdarmbrust ist komplett verbeint. Ihre Gravur zeigt eine an einem Baum gebundene und mit Pfeilen durchbohrte weibliche Figur, bei der es sich vermutlich um eine Darstellung des Martyriums des heiligen Sebastians gehandelt hat, bevor der Figur in späterer Zeit zusätzlich Brüste graviert wurden. Für diese Deutung der dargestellten Szene spricht, dass der Heilige Sebastian der Schutzpatron der bereits seit dem Mittelalter existierenden Schützengilden ist. Die Beineinlegearbeiten der Seitenflächen sind als halbkreisförmige Medaillons gearbeitet, in die sich anblickende Fratzen graviert sind. Die farbig gefassten Schnitzereien zwischen den Medaillons zeigen Männerköpfe und Pflanzenmotive. Der Stahlbogen ist mit Jagdszenen bemalt, die auf den Zweck der Waffe verweisen.
Armbruste blieben bis weit ins 17. Jahrhundert die bevorzugten Jagdwaffen. Sie waren zuverlässiger als die frühen Feuerwaffen, funktionierten nahezu lautlos und entwickelten keinen Rauch, der das Wild vertreiben oder auf die Position des Jägers aufmerksam machen konnte. Armbruster konnten eine enorme Durchschlagskraft entwickeln und erzielten noch bei einer Entfernung von 200 Schritt eine effektive Schussleistung und Treffsicherheit. Ein geübter Schütze konnte in der Minute zwei Schuss abgeben und das Wild mit gespannter Armbrust über lange Zeit verfolgen, ohne dass die Bogensehen nachgaben und damit Schussweite und Durchschlagskraft nachließen.

Stefanie Cossalter-Dallmann (11.5.2017)


Literatur:
  • Borgrefe, Heiner [Hrsg.]; Lüpkes, Vera [Hrsg.];Ottomeyer, Hans [Hrsg.]: Moritz der Gelehrte. Ein Renaissancefürst in Europa. Eurasburg 1997, Kat.Nr. 99, S. 82.
  • Höfische Jagd in Hessen. Ereignis, Privileg, Vergnügen. Katalog zur Ausstellung. Museum Schloss Fasanerie, 13. Juni 2017 - 05. November 2017. Museum Jagdschloss Kranichstein [...]. Hessisches Landesmuseum, 27. September 2019 - 12. Januar 2020. Petersberg 2017, Kat.Nr. I.3, S. 19.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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