Dreiteiliges Jagdbesteck



Dreiteiliges Jagdbesteck


Inventar Nr.: KP B XIV.332
Bezeichnung: Dreiteiliges Jagdbesteck
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: Anfang 17. Jahrhundert
Objektgruppe: Jagdutensilien
Geogr. Bezug: Deutschland
Material / Technik: Stahl (graviert), Messing, Holz
Maße: Messer 25 x 2,6 x 1,4 cm (Objektmaß)
Gabel 24,1 x 2 x 1,2 cm (Objektmaß)
Vorlegemesser 49,8 x 6 x 1,7 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Beschriftung: „Wer stets mit hohem flis der Tuget Wege liebet / unt auch derselben Pfad zu folgen sich ergibett / der wirt mit grosem Lob erhoben in der Welt / bekomt der Tugent Cron dort in des himels Zelt / weil er nun wehrtster frunt der Tugent Leiter stiget / Auch stets mit seinem fleis der Musen schar sich neiget / so fahr er ihmer fort im wir der högste balt / mit seiner gad unt gab belohnen mannigfalt“


Katalogtext:
Das Blatt des Vorlegemessers trägt einen aufwendig eingravierten, mehrzeiligen Sinnspruch. Geben diese Zeilen heute auch keinen Hinweis mehr auf den einstigen Besitzer, so unterstreichen sie doch die Bedeutung, die dem Vorlegebesteck im Rahmen des höfischen Tischzeremoniells, und damit auch bei dem sich an die Jagd für gewöhnlich anschließenden Mahl, zukam. Denn das Vorschneiden (Tranchieren) und Vorlegen (Kredenzen) der Speisen an der höfischen Tafel war kein rangniederer Dienst, sondern eine Auszeichnung und edle Tätigkeit, die jeder Edelmann als Ausdruck seiner sozialen Stellung beherrschen sollte. Es galt die für den Herrscher vorgesehenen Speisen fachgerecht zu zerlegen und ihm die zugeschnittenen Portionen zu präsentieren. Dafür stand dem „Tranchiermeister“ ein Satz von Gabeln und Messern zur Verfügung, der mindestens aus einer langen Gabel, einem langen, spitzen Messer und einem breiten Vorlegemesser mit abgerundeter Spitze ohne Schneide bestand. Diese sollte der Tranchiermeister nicht nur gekonnt, sondern auch elegant und anmutig zu führen wissen. Welche Bedeutung dem Tranchieren und Vorlegen im höfischen Zeremoniell beigemessen wurde, zeigen auch die ab dem Ende des 16. Jahrhunderts zahlreich erscheinenden „Tranchierbücher“ über die vielfältigen Techniken und die Kunst des Vorlegens.

Stefanie Cossalter-Dallmann (11.5.2017)


Literatur:
  • Höfische Jagd in Hessen. Ereignis, Privileg, Vergnügen. Katalog zur Ausstellung. Museum Schloss Fasanerie, 13. Juni 2017 - 05. November 2017. Museum Jagdschloss Kranichstein [...]. Hessisches Landesmuseum, 27. September 2019 - 12. Januar 2020. Petersberg 2017, Kat.Nr. I.21, S. 32 f.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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