Doppelläufige Steinschlossflinte



Doppelläufige Steinschlossflinte


Inventar Nr.: KP B XIV.128
Bezeichnung: Doppelläufige Steinschlossflinte
Künstler / Hersteller: Johann Baptist Missilieur (1781 - 1835)
Datierung: um 1830/1835
Objektgruppe: Feuerwaffen und Zubehör
Geogr. Bezug: Wien
Material / Technik: Nussbaumholz,Stahl brüniert und tauschiert (Gold), geätzt, gestochen, Silber, Gold (?), Messing
Maße: 8,2 cm (Tiefe)
21,5 cm (Höhe)
120,3 cm (Länge)
Beschriftungen: Beschriftung: Canons Cordues (Lauf)


Katalogtext:
Zu den in technischer und künstlerischer Hinsicht bedeutendsten Gewehren des 19. Jahrhunderts im Bestand der Museumslandschaft Hessen Kassel gehört diese in Wien für den hessischen Kurfürsten hergestellte doppelläufige Jagdflinte. Der Schaft ist mit Jagdszenen und plastischen Tierdarstellungen verziert. Auf der Wangenseite des Schaftes ist ein Relief mit einer Jagd auf Federwild zu sehen. Die Rückseite zeigt die dramatische Szene einer Wildschweinjagd. Die Hundemeute hetzt einen Keiler, der von Jägern mit Sauspießen verfolgten wird. Einer der Männer kann sich nur durch einen beherzten Sprung auf einen Baum vor dem heransprengenden Tier retten. Die beiden sehr detailliert ausgeführten Szenen sind so auf der Waffe ausgerichtet, dass sie bei normaler Ansicht auf dem Kopf stehen, sich jedoch dem Betrachter, der die Waffe selbst führt, durch einfaches Drehen um die Achse als Bildfolge erschließen. Die Saujagd geht auf einen Kupferstich von Johann Elias Ridinger (1698-1767) zurück und ist dort mit dem Titel „Das über das Land gehetzte Schwein“ betitelt. Am Übergang vom Kolbenhals zu Kolben, an der „Nase“ des Kolbenkammes, ist das Haupt eines kapitalen Hirsches zu erkennen, während im Bereich des hinteren Ausläufers des Abzugsbügels der Schädel eines gewaltigen Ebers den Kolben zu verschlingen scheint. Der hintere Ansatz zur Befestigung des Gewehrriemens ist schließlich in Form eines Löwenkopfes gestaltet. Eichenlaub umgibt zu beiden Seiten die Schlossplatten der doppelläufigen Flinte. Alle Metallteile sind mit feinem Ätzdekor verziert, der teils vegetabil, teils figürlich ausgeführt ist. Die elegante Flinte, die für die Niederwild- und die Vogeljagd gedacht war und hierzu mit Schrot geladen wurde, trägt auf der Oberseite des Laufpaares qualitätsvolle, vergoldete Gravuren mit Palmettendekor. Zudem ist hier neben der Wiener Beschussmarke die goldenen Inschrift „Canons Cordues“ zu lesen, welche die spezielle Technik sich verjüngender Laufmündungen bezeichnet, was eine Konzentration der abgefeuerten Schrotladung zur Folge hatte.

Thomas Richter (11.5.2017)


Literatur:
  • Paltussowa, I. N. [Bearb.]: Höfische Jagd. Aus Sammlungen des Staatlichen Historischen Museums [...] der Staatlichen Museen Kassel. Moskau 2002, Kat.Nr. 37, S. 53.
  • Höfische Jagd in Hessen. Ereignis, Privileg, Vergnügen. Katalog zur Ausstellung. Museum Schloss Fasanerie, 13. Juni 2017 - 05. November 2017. Museum Jagdschloss Kranichstein [...]. Hessisches Landesmuseum, 27. September 2019 - 12. Januar 2020. Petersberg 2017, Kat.Nr. VII.6, S. 166-167.


Letzte Aktualisierung: 11.09.2017


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