Höfische Jagd in Hessen-Kassel



Der Online-Katalog „Höfische Jagd“ widmet sich den erlesensten Prunkwaffen und Jagdutensilien aus der jagdgeschichtlichen Abteilung von Museum Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen, die als geschlossener Komplex fast vollständig aus der ehemaligen Jagdkammer der Landgrafen von Hessen-Kassel und Kurfürsten von Hessen stammt. Verbunden mit den hessischen Herrschern von Philipp dem Großmütigen (1504-1567) bis zu Friedrich Wilhelm (1802-1875), dem letzten Kürfürsten von Hessen, gelangten die hochwertigen, aus kostbaren Materialien gefertigten Waffen und Jagdutensilien teils aus heimischer Produktion, oftmals aber als diplomatische Geschenke und repräsentative Schmuckstücke in die fürstlichen Jagd- und Kunstkammern.

Die Bedeutung der Jagd im neuzeitlichen Europa ist uns heute jedoch weitgehend fremd geworden. Als fürstliches Recht und Ausdruck territorialer Herrschaftsausübung, als wesentliche Nahrungsquelle zur Versorgung des Hofes, aber auch als höfisches Vergnügen und aufwendig inszeniertes Mittel im diplomatischen Miteinander der regierenden Fürsten spielte die Jagd auch in Hessen-Kassel eine wesentliche Rolle. Weitgehend vergessen sind die oftmals existenziellen Auswirkungen dieses höfischen Zeitvertreibs auf die Untertanen. Ernteausfälle durch Wildschäden auf Feld und Flur aufgrund der enormen Überhegung des Wildbestandes, Jagdschäden durch die abgehaltenen Jagden selbst, aber auch die zu leistenden Frondienste im Rahmen der Jagden lasteten auf der Bevölkerung.

Als Instrumenten des Tötens nähert man sich historischen Jagdwaffen zudem mit einer gewissen Hemmung. Doch sind die aus edlen Materialien gefertigten Armbruste, Stangen-, Blank- und Feuerwaffen, aber auch Pulverhörner, Jagdutensilien und Kunstgegenstände nicht nur in ihrer technischen Perfektion, sondern auch in ihrer künstlerischen Ausführung herausragende Meisterwerke ihrer Zeit. Sie überliefern als kulturhistorische Zeugnisse ersten Ranges ein anschauliches Bild der verschiedenen Jagdformen sowie der technischen Errungenschaften und geben gleichzeitig Einblicke in die Geschichte der Landgrafschaft selbst. Um diese Geschichte(n) erzählen zu können, werden die im Rahmen der Kooperationsausstellung „Höfische Jagd in Hessen“ aus den Beständen der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) ausgewählten Exponate aus dem 16. bis 19. Jahrhundert erstmals im dazugehörigen Katalog (Imhoff 2017) eingehender vorgestellt und in ihren historische Kontext anhand konkreter Jagdereignisse rückverortet. Der Online-Katalog der Kasseler Bestände ermöglicht mit zusätzlichen Informationen und Bildmaterialien zu jedem einzelnen Objekt eine noch intensivere Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Waffenarten und Jagdutensilien. Seine Kommentar-Funktion möchte zudem zum fachlichen Austausch einladen.

Die Verwirklichung dieses Projekts ist dem großen Engagement der beteiligten Kollegen der Museumslandschaft Hessen Kassel, allen voran Anne Becker, Arno Hensmanns und Martin Menz geschuldet. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Stefanie Cossalter-Dallmann


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