Waidpraxe



Waidpraxe


Inventar Nr.: KP 1938/290
Bezeichnung: Waidpraxe
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 1678
Objektgruppe: Blankwaffen
Geogr. Bezug: Sachsen(?)
Material / Technik: Praxe und Besteck: Stahl, Geweih; Scheide: Leder
Maße: Praxe 45 x 7,7 x 5,1 cm (Objektmaß)
Ahle 16,1 x 1,5 x 1 cm (Objektmaß)
Stecher 14,1 x 2 x 1,2 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Die auch als Waidmesser bezeichneten Praxen sind Hiebwerkzeuge, die dem Zertrennen der Knochen und dem Zerlegen des Wildbrets dienten, woraus sich ihre massive Fertigungsweise erklärt.
Das Blatt der Praxe trägt die eingravierte Datierung 1678. Auf beiden Seiten der Klinge ist eine bislang noch nicht identifizierte Marke eingeschlagen. Der Griff der Praxe besteht aus mit Nieten an der Angel befestigten Geweihschalen, und entsprechend sind auch der Pfriem und die Netznadel mit Griffen aus Geweih gearbeitet. Die Parierstange schließt mit einem stilisierten Tierkopf ab. Ein vergleichbares Stück befindet sich in der Sammlung des Museums Jagdschloss Kranichstein (Inv.-Nr. 001/002/003). Beide Praxen gehören zu einer Gruppe dieser Waffenart mit einheitlichen Merkmalen, wie etwa der Strahlendekor der Zierstifte, der Tierkopf der Parierstange oder die Klammer der Schulterplatte, für die eine sächsische Herkunft angenommen wird.
Praxen spielten auch bei Jagdstrafen eine wichtige Rolle. Beim sogenannten Pfundegeben oder auch Waidmesserschlagen, einer ritualisierten Bestrafung bei unwaidmännischem Verhalten, erhielt der Delinquent mit der flachen Klinge des Waidmessers Schläge auf das Gesäß.

Stefanie Cossalter-Dallmann (11.5.2017)


Literatur:
  • Höfische Jagd in Hessen. Ereignis, Privileg, Vergnügen. Katalog zur Ausstellung. Museum Schloss Fasanerie, 13. Juni 2017 - 05. November 2017. Museum Jagdschloss Kranichstein [...]. Hessisches Landesmuseum, 27. September 2019 - 12. Januar 2020. Petersberg 2017, Kat.Nr. II.7, S. 51.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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