Jagddegen



Jagddegen


Inventar Nr.: KP B II.615
Bezeichnung: Jagddegen
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: Mitte 17. Jahrhundert
Objektgruppe: Blankwaffen
Geogr. Bezug: Deutschland, Solingen
Material / Technik: Stahl, Elfenbein, geschnitzt, Silber, vergoldet; Scheide: Leder, Holz
Maße: Scheide 79 x 4,4 x 4,6 cm (Objektmaß)
Messer Hase/Hund 22,6 x 2,7 x 1,8 cm (Objektmaß)
Messer Wolf/Hund 22,2 x 2 x 1,2 cm (Objektmaß)
Degen 93 x 12,2 x 3 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Signatur: IOHANNIS ALLOICH
Marke: Solinger Reichsapfel


Katalogtext:
Der Griff, die s-förmige Parierstange und die Griffe der beiden Beimesser dieses außergewöhnlichen Jagddegens bestehen aus plastisch geschnitzten Elfenbeinarbeiten von herausragender Kunstfertigkeit. Das Heft des Degens ist aus den Körpern der im Kampf verschlungenen Hirsche, Keiler und Jagdhunde gestaltet. Die s-förmige Parierstange zeigt auf der Rückseite eine grimmig dreinblickende Maske, auf der Vorderseite hingegen den Kampf eines Keilers gegen mehrere Jagdhunde. Der Künstler muss mit den zur Jagd eingesetzten Hunderassen vertraut gewesen sein, so sind die hier von ihm dargestellten Hunde deutlich als die zur Schwarzwildjagd eingesetzten doggenartigen Sauhunde oder „Saupacker“ zu erkennen, die ab dem 16. Jahrhundert zu diesem Zweck aus England importiert wurden. Auch die Elfenbeingriffe der beiden Beimesser zeigen dramatische Kampfszenen: Die Körper ineinander verschlungen, hält einer der schlanken und langschnauzigen Hetzhunde einen Hasen an der Kehle gepackt. Die Elfenbeinschnitzerei des zweiten Beimessers zeigt einen eben solchen Jagdhund, verbissen in die Kehle eines Fuchses.
Die Klinge des Degens ist auf beiden Seiten doppelt mit „IOHANNIS AOLLICH“ je im Wechsel mit drei Reichsäpfeln bezeichnet, letztere weisen das Blatt als in Solingen gefertigt aus. Auch die Scheide des kostbaren Degens ist aufwändig gearbeitet, und der Holzkorpus mit geprägtem Leder verkleidet. Das Mundblech ist verloren, doch der mit Rankendekor verzierte Tragehaken und das Ortband sind, wie die Hilzenringe und Knaufknöpfe des Degens und der Messer, aus vergoldetem Silber gearbeitet.
Diese aufwändig aus kostspieligen Materialen und auf höchstem künstlerischem und handwerklichem Niveau gefertigte Jagdwaffe könnte ihren Weg als diplomatisches Geschenk nach Kassel gefunden haben. Derartige Prunkwaffen waren machtvolle Instrumente des frühneuzeitlichen Geschenkeverkehrs und der Herrschaftsrepräsentation.

Stefanie Cossalter-Dallmann (11.5.2017)


Literatur:
  • Höfische Jagd in Hessen. Ereignis, Privileg, Vergnügen. Katalog zur Ausstellung. Museum Schloss Fasanerie, 13. Juni 2017 - 05. November 2017. Museum Jagdschloss Kranichstein [...]. Hessisches Landesmuseum, 27. September 2019 - 12. Januar 2020. Petersberg 2017, Kat.Nr. III.3, S. 64 f.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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